Donnerstag, 26. März 2020, 09:56 Uhr
von Simone

Ein paar Gedanken zu Corona und der Klimakrise

Corona stellt alles auf den Kopf und greift in unser bewährtes System ein. Ergeben sich aus der Krise vielleicht auch Chancen?

Corona hat uns fest im Griff und hält uns zu Hause. Plötzlich jonglieren wir alle zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung, räumen zwischen zwei Telkos eben mal schnell die Reste des Mittagessens weg, versuchen, beim Einkaufen möglichst nichts anzufassen und beim Joggen den nötigen Sicherheitsabstand zum Vordermann einzuhalten. Plötzlich ist alles anders. Schuld ist ein mikroskopisch kleines Etwas, das binnen kurzer Zeit unsere ganze globalisierte Welt auf den Kopf gestellt hat. Wahnsinn. Wer hätte so etwas erwartet?

Aber plötzlich geht auch was. Mit einem Mal wird das komplette System in Frage gestellt und umgemodelt. Deutschland schaltet auf Krisenmodus. Plötzlich werden die positiven Möglichkeiten der Digitalisierung ausgeschöpft, Telearbeit ist nicht mehr nur ein nötiges Zugeständnis für Teilzeitkräfte. Moodle geht vor Schreck in die Knie, weil mehrere Schulen gleichzeitig darauf zurückgreifen. Plötzlich rauft sich unsere Groko zusammen, plötzlich stimmen sich Bundesregierung und alle Landesregierungen ab und erlassen stringente, einheitliche Regelungen für die ganze Republik. Ein milliardenschweres Hilfspaket wird freigegeben, Kurzarbeit wird ermöglicht, der Egoismus einzelner wird so weit wie irgend vertretbar runtergeschraubt.

Es gibt nichts schönzureden an der Corona-Krise. Sie hat gerade erst begonnen, fordert uns alle heraus, und wir können noch lange nicht absehen, wie sie endet, wie viele Menschenleben sie uns kosten und welchen wirtschaftlichen Schaden sie hinterlassen wird. Auch nicht, wie sich die Kontaktbeschränkung auf unsere Psyche auswirken wird. Aber eins beweist sie schon jetzt: Es geht. Wir können auf die Warnungen der Wissenschaft hören und uns umstellen, obwohl das Schlimmste noch gar nicht eingetreten ist. Bevor es zu spät ist. Wir können das eingefahrene System in Frage stellen und an Stellschrauben drehen, deren Existenz wir bisher geleugnet haben.

Plötzlich wird die Luft über den Risikogebieten deutlich weniger dreckig. Plötzlich schwimmen wieder Fische in der Bucht von Venedig. Plötzlich nisten Vögel dort, wo sonst Skifahrer auf Kunstschnee den Berg runterbrettern. Plötzlich konferieren wir übers Netz anstatt eben mal die Geschäftspartner mit dem Inlandsflug abzuklappern.

Wir von LudwigsKlima wünschen uns, dass diese „Es geht“-Erkenntnis nach der Corona-Krise erhalten bleibt. Dass wir, wenn alles wieder in „geordnete Bahnen“ zurückgelenkt wird, ein bisschen vom alteingesessenen Weg abweichen und die Bahnen bei dieser Gelegenheit neu ordnen. Dass wir künftig gründlich abwägen, ob Dienstreisen wirklich notwendig sind, oder ob man sie – um Reiseverkehr zu minimieren - nicht regelmäßig durch Telefonkonferenzen ersetzen kann. Dass wir gar nicht erst wieder auf das „Besser, schneller, weiter“ aufsteigen sondern im Auge behalten, was eigentlich wirklich wichtig ist: unsere Gesundheit und unsere Existenz. Dass wir unser Wirken in der Zukunft wieder stärker darauf ausrichten – denn das bedeutet automatisch Ressourcen- und Klimaschutz.